Die Frage
Viele Menschen kennen noch die frühere Faustregel: Für gesunde Erwachsene galten höchstens 24 Gramm reiner Alkohol pro Trinktag bei Männern und 12 Gramm bei Frauen als risikoarm – grob ein halber Liter Bier beziehungsweise ein Viertelliter. Gerade in Bayern, wo Bier fest zur Fest- und Wirtshauskultur gehört, hat sich diese Vorstellung tief eingeprägt. Doch stimmt sie noch?
Das Ergebnis
Das wissenschaftliche Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat die Studienlage neu ausgewertet und seine Empfehlung grundlegend geändert. Es kommt zu dem Schluss, dass sich Empfehlungen auf der Basis „risikoarmer“ Trinkmengen nicht mehr aufrechterhalten lassen. Für viele Erkrankungen – etwa Bluthochdruck oder Brustkrebs – steigt das Risiko mit jeder zusätzlichen Menge Alkohol an. Für die körperliche Gesundheit ist es am besten, gar keinen Alkohol zu trinken; wer trinkt, profitiert von jeder Reduktion, unabhängig davon, wie viel er bisher konsumiert.
Die frühere Annahme, dass wenig Trinkende gesünder seien als Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, beruhte unter anderem auf methodischen Schwächen älterer Studien. Auch die oft zitierte „gesunde“ Wirkung von Rotwein hält einer genauen Prüfung nicht stand: Die Schäden durch den Alkohol überwiegen.
Wie verbreitet das Thema ist, zeigt das im April 2026 erschienene Jahrbuch Sucht der DHS: Rund 69 Prozent der Erwachsenen haben in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken. Etwa 1,7 Millionen Menschen gelten als missbräuchlich Konsumierende, weitere rund 2,16 Millionen als alkoholabhängig. Jährlich werden etwa 44.000 Todesfälle auf Alkohol zurückgeführt, rund sieben Millionen Krankenhausbehandlungen stehen ganz oder teilweise damit in Zusammenhang.
Die Bedeutung für den Alltag
Die neue Empfehlung ist keine Verbotsbotschaft, sondern eine ehrliche Orientierung: Es gibt keine Menge, die sicher ist – aber jedes Glas weniger senkt das Risiko. Hilfreich können feste alkoholfreie Tage sein, alkoholfreie Alternativen bei Festen und im Wirtshaus oder ein bewusster Blick darauf, in welchen Situationen und aus welchen Gründen man trinkt.
Wenn Sie merken, dass es Ihnen schwerfällt, weniger zu trinken, oder wenn Angehörige sich Sorgen machen, ist das ein guter Anlass, das Thema in Ruhe mit einer Fachperson zu besprechen – je früher, desto besser. Bei körperlicher Abhängigkeit darf ein Entzug nicht ohne ärztliche Begleitung erfolgen.
Die Quelle
Wissenschaftliches Kuratorium der DHS (Rumpf u. a.): Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol, erschienen in der Fachzeitschrift SUCHT (2024). Meldung und Dokument: der-paritaetische.de
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Jahrbuch Sucht 2026, Zusammenfassung vom 16.04.2026: aok.de